Lange Zeit hatte ich die Könige der Spielleute nicht mehr in der Halle gesehen, in den letzten Jahren höchstens mal auf der Rabenbühne in Kaltenberg oder einem Sommer-Festival. Aber das 25-jährige Bandjubiläum war dann doch Grund genug, mir diesen Spaß mal wieder zu gönnen. Während in früheren Jahren die Muffathalle für Corvus Corax gebucht wurde, musste jetzt das ebenfalls zum Muffatwerk gehörende kleine, aber feine Ampere als Location herhalten. Bis zum Konzertbeginn hatte sich die Halle aber sehr gut gefüllt, sowohl unten vor der Bühne als auch oben auf dem Balkon war es ziemlich voll, darunter auch viele bekannte Gesichter aus Kaltenberg oder dem Nerodom.

Leicht verspätet betraten die sieben Raben-Musiker um 20:15 Uhr mit viel Getöse und Geschrei, mit Masken und dem Ausruf „Die Pest ist in der Stadt!“ die Bühne und legten mit dem bekannten und sehr eingängigen „Saltatio Mortis“ auch gleich los. Nach dem ersten Song kam eine kurze Ansage von Frontmann und Sänger Castus, dass uns an dem Abend eine Zeitreise durch 25 Jahre Corvus Corax bevorstehen würde. Per Internet-Abstimmung hatten Fans und Besucher im Vorfeld die Möglichkeit gehabt, das Programm der Jubiläumsshow mitzubestimmen. Aus allen CDs sollten die zwei meistgewählten Songs live performt werden. Und so wundert es nicht, dass auf der 22 Songs umfassenden Setliste alle großen Hits der früheren und späteren Jahre zu finden waren. Im ersten Teil des Konzerts waren das vor allem die Ballade de Mercy, Sverker und das sehr epische und eindrucksvoll inszenierte „Ragnarök“. Danach folgte die witzige Ansage Castus’, dass „wir gar nicht Corvus Corax sind“ und diese erst nach einer Pause auftreten würden, die man doch dafür nutzen solle, um sich an der Bar mit alkoholischen Getränken einzudecken. Eine Band, die ihre eigene Vorband war, habe ich auch noch nicht erlebt!

Es folgte eine Pause von 45 Minuten, die ein wenig störend vom Club mit techno-ähnlicher Musik untermalt wurde, da hätte man sicher besser passende Stücke finden können. Aber die Stimmung blieb gut und die Zeit verging schnell, bis es mit einem meiner persönlichen Lieblingssongs weiter ging, dem „Merseburger Zauberspruch“. Im weiteren Verlauf blieb es bei einer guten Mischung aus ganz alten und neueren Songs, vom „Palästina-Lied“ über „Mille Anni Passi Sunt“, „Venus Vina Musica“ bis zu „Havfrue“ aus dem vorletzten Album gab es eine tolle Show und die Besucher ließen sich gerne von eindringlichen Trommeln, Dudelsäcken, Schalmeien, der großen Drehleier, Trumscheit, Hörnern und vielen anderen optisch und akustisch beeindruckenden Instrumenten mitreißen. Zum Chor-Gesang von „Trinkt vom Met“ wurde zwischendrin ein ganzer Kübel Met an das Publikum ausgeschenkt, Tanzen und In Taverna-Mitsingen machen anscheinend durstig!

Je weiter der Abend fortschritt, umso schneller und mitreißender wurde die Musik, erst der „Heiduckentanz“, im Anschluss der „Saltarello“, der einen in Gedanken wieder mal in die Arena von Kaltenberg versetzte, und als vorerst letzten Song das „Platerspiel“. Ganz wie in früheren Jahren hatte Castus viel Spaß dabei, das Publikum zu Gesangsspielchen zu motivieren, und so gab es über viele Minuten „La La La“-Gesang in laut und leise, von Männern und Weibern.

Nach einer sehr kurzen Pause ließen sich die Berliner nicht lange bitten und kehrten noch mal für ein sehr mitreißendes „Chou Chou Sheng“ zurück auf die Bühne. Als allerletzte Zugabe bekamen wir kurz nach 23 Uhr noch die obligatorische Ballade zu hören, diesmal war es „Stella Splendens“, wunderschön inszeniert mit den vielen Dudelsäcken, Gänsehaut total!

Kurz zuvor hatte Castus noch verkündet, dass sich Gründungsmitglied Wim vom aktiven Musiker-Dasein zurückziehen werde, diese Tour ist leider seine letzte. Er will sich in Zukunft nur noch auf seine Tätigkeit als Instrumentenbauer konzentrieren. Als sein Nachfolger wird Jordon, der auch bereits jetzt als Vertretung für den verletzten Vit auf der Tour dabei war, ab sofort wieder ein festes Band-Mitglied. Somit wird ein wichtiges Kapitel Corvus Corax für immer geschlossen … schade!
Im Nachhinein habe ich übrigens noch erfahren, dass das zwei Tage später in Hamburg stattgefundene allerletzte Konzert von Wim auf Video aufgezeichnet wurde, vermutlich wird es hiervon wohl demnächst eine Veröffentlichung geben.

Alles in allem hat der Abend sehr viel Spaß gemacht, sowohl dem Publikum, das gerne alle Spielchen mitmachte, allen Aufforderungen folgte und begeistert tanzte, als auch der Band selber, das war zu sehen. Und allen Fans, die keine Möglichkeit hatten an dem Abend dabei zu sein, sei gesagt, die Raben sind am 1. Kaltenberg-Wochenende Mitte Juli auf der nach ihnen benannten Bühne zu sehen und zu hören – dann aber leider ohne Wim, der aber versprach, als Besucher trotzdem dabei zu sein.

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